Aufarbeitung pädosexuelle Gewalt

Bisherige Aktivitäten und Prävention

Aktivitäten des DKSB Münster gegen sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen durch MitarbeiterInnen seit Beginn der 90er Jahre

Nach der Verurteilung von Christoph K. zu einer langen Haftstrafe im Jahr 1994 (bis dahin handelte es sich um ein schwebendes Verfahren) hat unser Verein immer wieder über die Verbrechen, die dieser ehemalige ehrenamtliche Mitarbeiter im Rahmen seiner Tätigkeit bei uns begangen hat, informiert. So beispielsweise in dem im April 1997 erschienenen Jahresbericht 1996 anlässlich unseres zwanzigjährigen Bestehens, im Rahmen einer Ausstellung über unsere Vereinsgeschichte im Jahr 2002 zum 25-jährigen Bestehen sowie im Einblick_Jubiläum 2007 , der seit seinem Erscheinen dauerhaft auf unserer Homepage als „Download“ zur Verfügung steht.

Darüber hinaus hat sich der DKSB OV Münster seit den 1990er Jahren auf verschiedenen Ebenen aktiv für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Übergriffen durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des DKSB und anderer Einrichtungen eingesetzt. Wir dokumentieren im Folgenden wesentliche Aktivitäten.

 

Verbandsintern: Als Mitgliedsorganisation des bundesweiten DKSB ist es uns seit 20 Jahren ein Anliegen, innerhalb unseres Verbandes die Aufmerksamkeit auf das genannte Thema zu lenken.

-Auf den Kinderschutztagen 1997, der bundesweiten Mitgliederversammlung des DKSB, wurden für alle Gliederungen des Verbandes verbindliche Regelungen für das „Verfahren für den Umgang mit dem Vorwurf sexueller Übergriffe auf Kinder durch haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen des DKSB“ verabschiedet. 1998 wurden diese Verfahrensregelungen aufgrund eines Antrages des DKSB Münster inhaltlich ergänzt.

-Aufgrund eines Antrages unseres Vereins auf den Kinderschutztagen 2005 wurde der Bundesvorstand aufgefordert, auch entsprechende Regelungen für die Verhinderung von sexuellen Übergriffen durch Mitarbeiter*innen zu erarbeiten. Diese wurden auf den Kinderschutztagen 2006 beschlossen und gelten seitdem für alle DKSB Orts- und Kreisverbände.

-Neue gesetzliche Grundlagen, weiter entwickelte fachliche Standards und veränderte „Prinzipen Helfenden Handelns“ unseres Verbandes machen es notwendig, die in den beiden oben aufgeführten Spiegelstrichen erwähnten Beschlüsse zu aktualisieren und fortzuschreiben. Der Geschäftsführer des DKSB Münster, Dieter Kaiser, hat zusammen mit dem damaligen Geschäftsführer und der damaligen stellvertretenden Geschäftsführerin des DKSB LV NRW Friedhelm Güthoff und Martina Huxoll der verantwortlichen Mitarbeiterin der DKSB-Bundesgeschäftsstelle Cordula Lasner-Tietze, zugearbeitet, so dass auf den Kinderschutztagen 2015 ein entsprechendes Papier zur Abstimmung vorgelegt werden kann.

-Unser Geschäftsführer war ebenfalls Mitglied der bundesweiten AG Aufarbeitung, die parallel zur Untersuchung durch das Göttinger Institut für Demokratieforschung seit 2014 u.a. eine Fachtagung mit dem Titel „Kinderschutz vor neuen Herausforderungen“ (Flyer Fachtag) organisiert hat. Diese hat im Mai 2015 stattgefunden. Auf den bundesweiten Kinderschutztagen im Mai 2016 hat die AG Aufarbeitung ein Fachforum angeboten. Die Arbeit dieser AG war damit beendet. Sie hat aber mit Erfolg empfohlen, eine Strukturkommission im DKSB einzusetzen, die sich bis Mai 2018 mit den von der AG Aufarbeitung erkannten strukturellen Schwächen im Verband auseinandersetzen wird.

In unserem Ortsverband: Einen sehr hohen Stellenwert in unserem Ortsverband hat die Aufgabe, alles dafür zu tun, um sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche durch unsere eigenen Mitarbeiter*innen zu erschweren und damit möglichst zu verhindern:

-Bereits seit 2001 lassen wir uns nicht nur von unseren hauptamtlichen, sondern auch von unseren ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen vor Beginn ihrer Mitarbeit in unserem Verein ein Führungszeugnis (seit einigen Jahren: Erweitertes Führungszeugnis) vorlegen, um zu verhindern, dass sich einschlägig verurteilte Personen bei uns engagieren.

-Im Jahr 2004 hat unser Verein für alle seine haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen eine „Verhaltensanweisung zur Prävention von Beziehungsmissbrauch und sexueller Gewalt im Umgang mit Personen, insbesondere Kindern und Jugendlichen, die vom DKSB OV Münster betreut und beraten werden“ (Verhaltenskodex 2016) erarbeitet. Zu Beginn einer Mitarbeit muss seit dieser Zeit jede/r Aktive eine Erklärung zu dieser Verhaltensanweisung unterschreiben (Variante Hauptamtliche bzw. Variante Ehrenamtliche)

-Auf Initiative unseres Ortsverbandes ist seit 2006 für alle DKSB Orts- und Kreisverbände bundesweit die Entwicklung eines Verhaltenskodexes zum Schutz insbesondere der im DKSB betreuten Kinder und Jugendlichen verbindlich vorgeschrieben.

-Seit Langem sprechen wir in jedem Erstgespräch mit Menschen, die sich in unserem Verein haupt- oder ehrenamtlich engagieren wollen, das Thema „Sexuelle Übergriffe durch MitarbeiterInnen“ an und machen so deutlich, dass wir dieses im Blick haben.

– Derzeit entwickeln wir in unserem Ortsverband ein Beschwerdeverfahren für Kinder, Jugendliche und Eltern. Auf unserem GruppenForum am 14.9.2015 hatten wir hierzu einen ersten Austausch zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen unseres Ortsverbandes. Wir verstehen ein gutes „Beschwerdemanagement“ auch als einen Präventionsbaustein gegen (sexuelle) Übergriffe auf Kinder und Jugendliche durch eigene Mitarbeiter*innen.

 

Über den DKSB hinaus: Weiterhin ist es uns ein großes Anliegen, auch außerhalb des DKSB auf die Notwendigkeit des Schutzes von Kinder und Jugendlichen vor sexuellen Übergriffen in Institutionen und Vereinen hinzuweisen.

-Im Schwerpunktthema unseres Jahresberichts 2003 (erschienen im April 2004), den wir u.a. der Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht haben, haben wir über „Sexuelle Übergriffe durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Institutionen“ informiert. (Schwerpunkt-Jahresbericht-2003)

-Ende 2004 haben wir den Fachvortrag von (heute: Prof.) Claudia Bundschuh mit dem Thema „Das gibt es doch nicht! Sexueller Missbrauch durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Institutionen“ in Münster organisiert und so andere Einrichtungen für das Thema sensibilisiert.

-Das Team unserer Fachberatungsstelle führt seit Jahren in Vereinen und Einrichtungen (z. B. in Sport und Kirche) entsprechende Schulungen für deren Aktive durch und trägt zum Schutz der dort betreuten Kinder und Jugendlichen vor sexuellen Übergriffen durch Mitarbeiter*innen bei. Konkret kooperieren wir ab September 2016 diesbezüglich mit dem TuS Hiltrup.

-Am 22.03.17 fand unsere mittlerweile 11. „Kinderkram(?!)“-Veranstaltung statt. Frau Dr. Margareta Müller vom Kompetenzzentrum Kinderschutz des Kinderschutzbundes NRW referierte vor knapp 50 Teilnehmer*innen insbesondere aus Kitas, Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen zum Thema „Schutzkonzepte in Institutionen“. Im Kontext der aufgedeckten Missbrauchsfälle in Schulen, Internaten und anderen Einrichtungen durch eigene Mitarbeiter*innen steht in der fachlichen Diskussion der letzten Jahre das Thema „Schutzkonzepte“ sehr im Fokus. Aus der Kampagne „Kein Raum für Missbrauch“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs sind dazu viele Empfehlungen und Materialien hervorgegangen.

Die Referentin Dr. Müller zeigte in ihrem Vortrag rechtliche Grundlagen auf und erläuterte die einzelnen Bausteine, aus denen ein Schutzkonzept besteht. Den ersten Schritt stellt demnach stets eine Risikoanalyse dar, die Gefahrenpotentiale und Gelegenheitsstrukturen für Gewalt und Missbrauch innerhalb des pädagogischen Alltags sichtbar macht. Darauf bauen dann Maßnahmen der Prävention und Intervention auf, wie z.B. Leitbild und Verhaltenskodex, Personalauswahl, Fortbildungs- und Präventionsangebote, Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren sowie ein Krisenplan für „den Fall der Fälle“.

Stand: April 2017