Die Lobby für Kinder wird leiser. Kinderschutzbund muss zukünftig seine kinderpolitische Arbeit deutlich reduzieren

„Wir bedauern es sehr, dass ohne Hilfe von außen der Münsteraner Kinderschutzbund spätestens ab April 2017 ein anderer sein wird und unser Verein in Münster nicht mehr der kinderpolitische Akteur sein wird wie bisher.“ Mit diesen Worten macht Christoph Heidbreder, der erste Vorsitzende des DKSB Münster, deutlich, dass die soeben vom Vereinsvorstand beschlossenen drastischen Ausgabenkürzungen deutliche Auswirkungen auf die Arbeit des Vereins haben werden. Hintergrund der Vorstandsbeschlüsse seien die deutlich sinkenden Einnahmen des Vereins aus Bußgeldzuweisungen von Richtern und Richterinnen. Heidbreder erläutert: „Zurzeit erhalten wir noch Ratenzahlungen aus den Bußgeldzuweisungen des Vorjahres, aber seit dem 3. Quartal 2015 erreichen uns nur noch sehr wenige neue Zuweisungen. Somit wird ab 2017 eine wichtige Säule bei der Finanzierung unserer Kinderschutzarbeit zu einem sehr großen Teil wegbrechen. Und dies können wir ohne eine deutliche Reduzierung unserer Ausgaben nicht kompensieren.“

Da der Verein auch zukünftig seine konkreten Hilfs- und Beratungsangebote in seiner Fachberatungsstelle gegen Gewalt an Kindern, an seinem Eltern- sowie Kinder- und Jugendtelefon, in Form von Elternkursen und Kinderbetreuungen im Krankenhaus aufrechterhalten will, würden die beschlossenen Ausgabenkürzungen insbesondere das kinderpolitische Engagement des DKSB Münster in unserer Stadt betreffen. Auch seine Öffentlichkeitsarbeit werde der Verein deutlich reduzieren. Bisher – so Heidbreder – wurden diese Aufgaben und andere im Wesentlichen von Dieter Kaiser, dem Geschäftsführer, geleistet. Dessen Wochenstunden müssten aber ab dem 01.04.2017 von 25 auf 10 reduziert werden. Dies bleibe natürlich für den Verein nicht ohne Konsequenzen. „Kinderpolitische Aktionen wie z. B.  unsere spektakuläre Fähnchenaktion am Aasee gegen Kinderarmut 2007 werden wir in der Zukunft nicht mehr durchführen können. Generell werden wir als Lobby für Kinder zukünftig in Münster deutlich leiser werden, beispielsweise wenn es darum geht, sich für die Aufnahme der Kinderrechte in die Verfassung oder speziell für das Kinderrecht auf Beteiligung einzusetzen“, erläutert Heidbreder die Konsequenzen aus der Änderungskündigung des Geschäftsführers. „Auch in der Öffentlichkeit werden wir zukünftig nur noch selten für die Interessen von Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern eintreten können. DKSB-Plakate an Litfaß-Säulen, Kinderschutz-Banner z. B. an der Radstation und Kinoclips des Münsteraner Kinderschutzbundes werden wir zukünftig nicht mehr realisieren können“, so Heidbreder weiter. Zurzeit erstelle der Kinderschutzbund noch je eine eigene Website für Kinder und eine für Jugendliche. Auch solche Aktivitäten würden zukünftig nicht mehr möglich sein. Sehr schmerzlich sei es auch, dass der Münsteraner DKSB-Ortsverband zukünftig nicht mehr auf Landes- und Bundesebene des DKSB aktiv sein könne. So habe der Geschäftsführer des DKSB Münster in den letzten 2 Jahren in der bundesweiten Arbeitsgruppe „Aufarbeitung“ des DKSB engagiert an der Aufarbeitung von in den 80er Jahren in einigen Ortsverbänden des DKSB begangenen sexuellen Übergriffen durch Mitarbeiter mitgearbeitet. Auch an der Erarbeitung des kinderpolitischen Programms des DKSB sei Dieter Kaiser beteiligt gewesen. Natürlich habe der Vorstand des Vereins zusammen mit dem Geschäftsführer – so Heidbreder weiter – seit Jahren versucht, neue Einnahmequellen zu erschließen. So bietet der Verein z. B. potentiellen Sponsoren seit Jahren ein umfangreiches Sponsorenpaket mit einer Reihe von Gegenleistungen an – ohne Erfolg. „Nicht nur beim Kinderschutzbund sondern auch bei vielen anderen Vereinen gehen – wenn überhaupt – fast nur noch zweckgebundene Spenden ein. Die Personalstunden in der Verwaltung sind so nicht gegen zu finanzieren. „Ohne eine solche Verwaltung aber ist unsere Kinderschutzarbeit nicht möglich“, stellt Christoph Heidbreder abschließend fest.

Noch haben Christoph Heidbreder und seine Vorstandsmitglieder die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ihre Kürzungsbeschlüsse zumindest zum Teil wieder aufgehoben werden können. Hierzu bedürfe es aber der Hilfe von Menschen und/oder Unternehmen, denen es wichtig sei, dass sich auch in Zukunft der Münsteraner Kinderschutzbund kompetent und lautstark in unserer Stadt für die Kinder, Jugendlichen und deren Eltern einsetzen kann. Potentielle Unterstützer mögen sich daher gern zeitnah an die Geschäftsstelle des DKSB Münster (Tel. 0251 47180) wenden.