Folgen und Heilungschancen von frühkindlicher Traumatisierung. Erneute „Kinderkram(?!)“-Veranstaltung des DKSB Münster.

Welche Folgen haben frühkindliche Traumatisierungen und was brauchen Kinder, damit sie sich von einem erlittenen Trauma erholen können? Diese Frage war eine von vielen, die Alexander Korittko, Mitbegründer des Zentrums für Psychotraumatologie und Trauma-zentrierte Psychotherapie Niedersachsen, im Rahmen einer erneuten „Kinderkram(?!)“-Veranstaltung des Münsteraner Kinderschutzbundes beantwortete. Im voll besetzten Vortragssaal der Bezirksregierung Münster machte der Referent deutlich, dass traumatische Erlebnisse für Kinder existenzielle Bedrohungen darstellen. Dies können Unfälle oder Katastrophen sein ebenso wie Erfahrungen von Vernachlässigung, körperlicher und sexueller Gewalt. Aber auch emotionale Misshandlungen bzw. psychische Gewalt, wie z. B. ständiges Ausschimpfen und Demütigungen, könnten Kinder traumatisieren, so Korritko.

Die Folgen solcher Erlebnisse seien mitunter gravierend. So hätten traumatisierte Kinder z. B. oft Probleme, Stress angemessen zu verarbeiten und sie entwickelten ein starkes Misstrauen gegenüber anderen Menschen. Langfristig könne es somit Schwierigkeiten bei der Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit geben. Weiter machte Korittko deutlich, dass traumatische Kindheitserfahrungen neben der seelischen auch die körperliche Gesundheit gefährden können. So bestünde bei traumatisierten Kindern bspw. ein höheres Risiko, Erkrankungen des Immunsystems, der Lunge oder des Herzens auszubilden.

Der Referent führte jedoch auch anschaulich aus, dass es glücklicherweise für traumatisierte Kinder große Heilungschancen gebe. Das Wichtigste seien ein sicherer Ort und Sicherheit bietende emotionale Beziehungen. Diese müssten aber verlässlich sein. Dies bedeute, dass befristete Stellen von Bezugspersonen – beispielsweise in der Betreuung von Flüchtlingskindern – ein Problem darstellen.
Große Bedeutung für die Genesung traumatisierter Kinder haben nach Aussage von Korittko schließlich auch vielfältige neue positive Erfahrungen, die die Kinder hinsichtlich ihrer Kompetenzen, ihrer Stressreaktionen, ihrer Selbstwirksamkeit und ihres Körpers machen sollten.

Und wenn dann die Kinder irgendwann „etwas aus ihrem Traumarucksack“ herauslassen würden, so geschehe dies nicht, um die Erwachsenen in ihrem Umfeld zu ärgern, sondern es zeige vielmehr, dass die Kinder angefangen hätten, sich sicher und geborgen zu fühlen. Die positiven Erfahrungen, die ein Kind mit anderen Menschen und mit sich selbst mache, würden schließlich zu einer „Neustrukturierung des Gehirns“ und somit zu einer Überwindung des Traumas führen.