Pressemitteilung zum Safer Internet Day 2022

 „Ich kann einfach nicht mehr!“, „Ich weiß gar nicht, was los ist mit mir!“, „Ich möchte wieder froh sein können!“ und „Ich glaube, ich brauche Hilfe!“ Das sind Sätze, die im letzten Jahr oft am Telefon zu hören waren und in fast jeder Mail und in vielen Chats der Onlineberatung von NummergegenKummer auftauchen.

Das Beratungsangebot von NummergegenKummer ist bundesweit gestützt auf Standorte wie den Kinderschutzbund Münster. Es umfasst die Telefon- und Chatberatung, bei der nur ein einmaliger Kontakt entsteht, und die seit letztem Jahr auch beim Kinderschutzbund in Münster eingeführte Onlineberatung per Email, die einen mehrmaligen Kontakt zwischen Berater*in und Ratsuchendem ermöglicht. Die Nummer gegen Kummer besteht seit über 40 Jahren und wird von ausgebildeten Ehrenamtlichen getragen. Das Angebot betrachtet sich selbst als eine Art „Seismograph“ für Veränderungen in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen, weil bei dieser anonymen, niedrigschwelligen Anlaufstelle neue Trends zuerst und relativ ungefiltert ankommen.

Die im letzten Jahr zu beobachtenden Entwicklungen zeigen verschiedene besorgniserregende Tendenzen auf. Das Hauptthema in der Beratung per Mail oder Chat waren Ängste, Depressionen, Selbstverletzung und Suizidgedanken, nicht nur bei jungen Erwachsenen, auch schon bei Jugendlichen und sogar Kindern. „Das Internet ist zwar einerseits ein guter Ort, um Kontakt mit den Freund*innen zu halten, wenn die Coronapandemie Beschränkungen verlangt. Andererseits nimmt die heile und geschönte Bildwelt von Instagram, Snapchat und Facebook zunehmend Einfluss auf die psychische Verfassung von jungen Menschen“, sagt Torben Oberhellmann, Geschäftsführer des Kinderschutzbund Münster.

„Das Leben in vollen Zügen genießen“ zu wollen, geben vier von fünf Jugendlichen in der Shell Jugendstudie als Ziel an. Diesem Wunsch entsprechend treffen die in der Regel gestellten und bearbeiteten Idealbilder dieser Plattformen auf die Lebensrealität der Kinder und Jugendlichen. In den meisten Fällen entsteht so ein Defizit – der Himmel auf Instagram ist blauer, die Menschen sehen besser aus und sind schlanker. Immer wieder tauchen in den Anliegen der Ratsuchenden Klagen auf, wie unzufrieden sie mit sich und ihrem Körper sind, dass sie sich wünschen, „perfekt“ zu sein in Aussehen und Verhalten. Und leider sagen viele gleichzeitig, dass sie darüber nicht mit ihren Eltern und Freund*innen reden können, weil sie niemanden mit ihren Sorgen belasten wollen. So bleiben sie allein mit ihrem schlechten Gefühl.

Studien wie die COPSY Studie des Universitätsklinikums Eppendorf weisen nach, dass die Coronapandemie Angststörungen und Depressionen bei Kindern und Jugendlichen nachweisbar verstärkt hat. Die CORABE Studie der Uni Bern liefert die Einschätzung, dass jeder Achte befragte Jugendliche bei sich selbst behandlungsbedürftige psychische Probleme sieht. Viele der Anfragen bei NummergegenKummer bergen in sich den konkreten Wunsch nach Hilfe in Form von Diagnose und Therapie. Dies oder die Vermittlung von Therapieplätzen ist in der Beratung nicht möglich. Deutlich wird aber, wie groß die Lücke zwischen Nachfrage nach und Angebot von Therapieplätzen tatsächlich ist und wie wichtig das Angebot der NummergegenKummer für Ratsuchenden ist.

 

Der Chat ist über die Homepage vom Kinderschutzbund Münster oder von Nummer gegen Kummer zu erreichen. Das Angebot ist kostenlos und absolut vertraulich. Telefonische Beratung ist unter der kostenfreien Nummer 116 111 von montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr möglich.